Integrale Wasserwirtschaft

Die Wasserwirtschaft umfasst alle Aktivitäten des Menschen zur Nutzung des Wassers, zum Schutz des Wassers, sowie zum Schutz vor dem Wasser. Eine INTEGRALE GEWÄSSERBEWIRTSCHAFTUNG oder eine INTEGRALE WASSERWIRTSCHAFT versucht diese drei Hauptziele wasserwirtschaftlicher Tätigkeit sowohl für ober- und unterirdische Wasserressourcen in Einklang zu bringen.

Je stärker ein Gewässer beansprucht wird, desto mehr tauchen durch Wechselwirkungen Interessenskonflikte auf. Hier hat die Integrale Wasserwirtschaft eine Koordinationsaufgabe. Bei der Planung von Massnahmen müssen die Auswirkungen auf alle Bereiche der Wasserwirtschaft berücksichtigt werden. Es sollen Lösungsvarianten gesucht werden, welche auf die Anforderungen der verschiedenen Sektoren eingehen. Der Ansatz, Partikularinteressen unabhängig von anderen Zielsetzungen zu verfolgen, soll künftig also der Vergangenheit angehören.

Eine solche integrale Massnahmenplanung muss dabei auch der Tatsache Rechnung tragen, dass die Auswirkungen von Eingriffen nicht nur lokal sind, sondern ebenso die Verhältnisse weiter flussabwärts beeinflussen. Dies schliesst auch die Wechselwirkungen zwischen Oberflächengewässern und Grundwasser mit ein. Der räumliche Bezug für eine integrale Wasserwirtschaft ist daher nicht nur der unmittelbare Umkreis des Eingriffs am Gewässer, sondern das gesamte Fluss-Einzugsgebiet. Damit müssen auch weitere raumwirksame Tätigkeiten aus anderen Bereichen wie etwa Raumplanung oder der Land- und Forstwirtschaft mit in die Überlegungen einbezogen werden.

Die Gesetzgebung als Ausdruck der Wertewelt unserer Gesellschaft bestimmt, wo beim Abwägen der Interessen die Schwerpunkte gesetzt werden müssen. Um bei all den Wechselwirkungen die Ressource Wasser nicht zu übernutzen, braucht es eine Wasserwirtschaft, die im Sinne einer gesamtheitlichen Bewirtschaftung der Gewässer bereichsübergreifend handelt und die Sektoren aufeinander abstimmt.

Die Integrale Wasserwirtschaft (oder auch das integrierte Wasserressourcen-Management) hat sich mit den Dublin-Prinzipien (1992) und der Agenda 21 (1992) zu einem wichtigen und im transnationalen Zusammenhang weitgehend akzeptierten Leitkonzept der Wasserwirtschaft entwickelt. Es impliziert eine vielschichtige Integration des Managements, von unterschiedlichen Ressourcen, Sektoren, Managementprinzipien und normativen Vorgaben, wobei sich jedoch existierende Ansätze z.T. sehr stark unterscheiden und in ihrer Anwendung von den natürlichen, politischen, sozialen und ökonomischen Voraussetzungen in der jeweiligen Region abhängen.